Das GRID-Modell: Lernvoraussetzungen mehrdimensional sichtbar machen
Das empirisch fundierte GRID-Modell (s. Abschnitt „wissenschaftlicher Hintergrund“.) erhebt und visualisiert individuelle Lernvoraussetzungen mithilfe eines validierten Screenings (Beobachtungsbogen). Die erfassten Skalen umfassen Lernverhalten, Basisfertigkeiten, bereichsspezifisches Wissen, motivational-emotionale Kompetenz, Sozialverhalten sowie vorschulische, schulische und familiäre Kontextbedingungen. Neben Förderbedarfen werden dabei systematisch auch Ressourcen erfasst, die als individuelles Potenzial für die Förderung genutzt werden können.

1. Wissenschaft und Praxis verbunden
Das GRID-Modell basiert auf publizierter, peer-reviewter Forschung und ist seit 2018 in der Schulpraxis erprobt. Durch die enge Vernetzung mit Universitäten, Schulämtern und Bezirksregierungen verbindet es wissenschaftliche Evidenz mit den Anforderungen des Schulalltags.
2. Mehrdimensional diagnostizieren
GRID betrachtet die Lernvoraussetzungen ganzheitlich: Kognition, Lernverhalten, Wahrnehmung, Kommunikation, Emotionalität und Soziabilität sowie familiäre und schulische Kontextbedingungen werden gemeinsam betrachtet. So werden Wechselwirkungen sichtbar – mit Blick auf Ressourcen ebenso wie auf Förderbedarfe.
3. Multiprofessionell zusammenarbeiten
Diagnostik und Förderplanung sind Teamarbeit. Lehrkräfte, Sonderpädagog:innen, Schulbegleiter:innen, Lerntherapeut:innen und weitere Beteiligte arbeiten auf einer gemeinsamen Datengrundlage in der App. Das unterstützt auch die gemeinsame Planung inklusiven Unterrichts.
4. Bildung ganzheitlich begleiten
GRID verbindet unterschiedliche Bildungs- und Unterstützungssysteme – von der Kita über Schule und Lerntherapie bis zur Berufsschule. So kann ein Lernnetzwerk entstehen, das Kinder und Jugendliche über institutionelle Grenzen hinweg begleitet.
5. Ressourcen stärken und frühzeitig handeln
GRID setzt auf Prävention statt Reaktion. Das niedrigschwellige Screening kann früh eingesetzt werden, bevor Schwierigkeiten den Schulalltag spürbar einschränken. Im Mittelpunkt steht nicht nur, was einem Kind schwerfällt, sondern auch, was es bereits kann und welche Ressourcen genutzt werden können.
6. Alle Beteiligten einbeziehen
Individuelle Förderung gelingt gemeinsam. GRID ermöglicht es, die Perspektiven von Lehrkräften, Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, Schüler:innen und weiteren Fachkräften strukturiert in den Diagnoseprozess einzubeziehen. So entsteht eine gemeinsame Grundlage für die Förderplanung.
7. Selbstwirksamkeit fördern
GRID stärkt die diagnostische Kompetenz von Lehrkräften und unterstützt sie dabei, Förderprozesse sicherer und eigenständiger zu gestalten. Gleichzeitig werden Schüler:innen zur Selbstreflexion, Eigenverantwortung und aktiven Mitgestaltung ihres Lernwegs angeregt.
8. Zeit und Kosten sparen
Das kompakte, strukturierte Screening ermöglicht einen datenbasierten Einstieg in die pädagogische Förderdiagnostik im Hinblick auf eine inklusive Didaktik. Die präventive und passgenaue Unterstützung kann zudem spätere Folgekosten reduzieren.
9. Diagnostik verständlich visualisieren
GRID analysiert und visualisiert die Ergebnisse übersichtlich und schafft so eine gemeinsame Sicht auf einzelne Schüler:innen. Druckbare Unterlagen und der direkte Zugriff auf relevante Informationen unterstützen Lernberatung, Förderplanung und die Zusammenarbeit im Förderteam.
Was das Modell auszeichnet
Lernbarrieren präventiv wahrnehmen und minimieren mit dem EdGRID Kompass. GRID analysiert und visualisiert Ressourcen und Unterstützungsbedarfe beim Lernen und Lernverhalten und schafft Orientierung für individuelle Lernwege – wissenschaftlich fundiert, im Team entwickelt, niedrigschwellig und praxistauglich ohne Berücksichtigung des Ressourcen-Etikettierungs-Dilemmas.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Grundlage bildet die langjährige Forschung von Dr. Edeltraud Hammes-Schmitz zur Bedingungsanalyse von Lern- und Verhaltensschwierigkeiten (u. a. Dissertation Universität zu Köln, zahlreiche Publikationen seit 2012).
Eine aktuelle Übersicht bietet: Hammes-Schmitz, E. & Hagen, T. (Hrsg.) (2025). Mehrdimensionale Förderdiagnostik und -planung bei Schwierigkeiten im Lernen und Lernverhalten. Dortmund: Verlag modernes Lernen.
Weiterführende Literatur
- Hammes-Schmitz, E., Ramacher-Faasen, N., Hagen, T. & Schmitz-Parting, K. (In Vorbereitung). Prävention von Lern- und Verhaltensschwierigkeiten: Mehrdimensionale Förderdiagnostik und -planung in Kita und Schule mit dem GRID-Modell.
- Hammes-Schmitz, E., Meisner, A., Hülsmann, M. & Hagen, T. (2026). Partizipation durch interdisziplinäre Vernetzung: Schule und integrative Lerntherapie im Rahmen des GRID-Modells. Lernen und Lernstörungen, 15(3), S. 113–11.
- Ramacher-Faasen, N., Fasen, J. M. & Hammes-Schmitz, E. (2025). Herausforderungen erkennen, Lösungen entwickeln – Praxisorientierte Umsetzung des ToP-Modells. In Perspektiven auf Kindheitspädagogik: Grundlagen, Potentiale und Herausforderungen. Heidelberg: Springer Verlag.
- Hammes-Schmitz, E. & Hagen, T. (Hrsg.) (2025). Mehrdimensionale Förderdiagnostik und -planung bei Schwierigkeiten im Lernen und Lernverhalten. Dortmund: Verlag modernes Lernen.
- Hammes-Schmitz, E., Hagen, T., Schütterle, P., Hielscher, A. & Schlangen, S. (2021). Das GRID-Modell – Verknüpfung von Diagnostik und Förderplanung bei Lernschwierigkeiten in der Primarstufe. Zeitschrift für Heilpädagogik, 9, S. 462–47.
- Keßel, S., Grüber-Stankowski, C., Hegerath, H., Hammes-Schmitz, E. & Hanisch, C. (2021). Frühförderung als Moderatorin des Übergangs in die inklusive Grundschule für Kinder mit Frühförderbedarf – MuTig: Multiprofessionell Transition gestalten. In: Gebhard, B., Simon, L., Ziemen, K., Opp, G. & Groß-Kunkel, A. (Hrsg.). Transitionen – Übergänge in der Frühförderung gestalten. S. 26–32. Idstein: Schulz-Kirchner.
- Lebens, M., Hammes-Schmitz, E., Lauth, G. & Ramacher-Faasen, N. (2016). Systematische Förderplanung bei Lernstörungen mit dem GRID-Modell. Lernen und Lernstörungen, 5, S. 165–171.
- Lauth, G.W., Hammes-Schmitz, E. & Lebens, M. (2014). Eine empirische Bedingungsanalyse von Lernstörungen. Empirische Sonderpädagogik, 4, S. 350–364.
- Hammes-Schmitz, E. (2012). Bedingungsanalyse von Lernstörungen. Lern- und aufmerksamkeitsgestörte Schüler. Bedingungsanalyse und Perspektiven für Interventionen (Dissertation, Universität zu Köln).
FAQ
Seit wann wird das GRID-Modell eingesetzt? Seit 2018 in der Schulpraxis erprobt.
Welche Bereiche erfasst das GRID-Screening? Lernverhalten, Basisfertigkeiten, bereichsspezifisches Wissen, motivational-emotionale Kompetenz, Sozialverhalten sowie vorschulische, schulische und familiäre Kontextbedingungen

